Quo vadis, Tesla?

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Stefan Ko
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Quo vadis, Tesla?

Beitrag von Stefan Ko » Fr 25. Jan 2019, 20:48

Sicherlich haben einige von euch bemerkt, dass Tesla wieder mal aktientechnisch in aller Munde ist.
Der Kurs schwankt auf und ab - zuletzt ordentlich nach unten - was ja nichts Neues ist.
Jetzt kommen auch Gerüchte dazu, die meinen, Tesla müsse nicht umsonst Leute entlassen und die Produktion von S und X etwas dämpfen:
Die Nachfrage breche einfach ein.

Natürlich ist da viel Spekulation mit dabei, aber ein User hat dazu in einem anderen Forum ein paar Thesen aufgestellt, die ich euch nicht vorenthalten will - ich bin auf eure Meinung dazu gespannt:

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Alle etablierten Zulassungszahl-Schätzer in der USA sagen sehr viel niedrigere Zahlen voraus als Electrek und Co. Da sollte man vielleicht mal darüber nachdenken, ob die auch alle in einer Verschwörung beteiligt sind oder Tesla vielleicht etwas zu optimistisch berichtet hat.

Die VINs haben erst in den letzten Tagen zugelegt. Vorher waren es wenige. Tesla hat aber (Fakt) die Produktion von S und X reduziert. Das ist ein definitives Anzeichen für eine Nachfrage-Reduktion. Welche Zeichen gibt es für eine Nachfrage-Steigerung?

Ich habe übrigens eine falsche Aussage getätigt, die ich hiermit korrigieren will:
Die Convertibles werden nicht in 60 Tagen fällig, sondern bereits Mitte März - also in 36 Tagen.
Das wird ein extrem wichtiges Datum für Tesla. Wenn sie Bonds abzahlen, dann ist wieder alles offen. Aber bisher hält sich Tesla da bei Fragen sehr zurück, und einige Firmennahe Quellen sind sich unsicher.
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Hier der lange Text:

Sehr lang. Und wenn ihr den schon lest, bedenkt bitte, dass ich nichts gegen Tesla als Firma habe. Ich habe etwas gegen die Firmenführung von Tesla, sowohl deren Methoden als auch min. eine der zentralen Personen. Dies ist aber nicht Bestandteil der folgenden Post. Es geht mir alleine um Tesla an sich.

Im letzten großen Abschnitt (Trennzeile) findet sich noch meine persönliche Meinung, wohin demnächst die Reise geht - nicht finanziell sondern Firmenstrategisch.

Ich finde das Model S (nach-Facelift) immer noch eine der schönsten Limousinen, die man derzeit kaufen kann. Ich mag Limousinen und Coupés. Ich fände es toll, wenn ich ohne Bedenken eine kaufen könnte. Leider ist das Wartungsproblem für mich zu problematisch (sprich "Werkstatt weit weg") um hier noch über einen Kauf nachzudenken.

Dies soll kein Investment-Rat sein, sondern nur wie ich persönlich in der Situation handeln würde. Eine dieser Empfehlungen ist genau das, was ich tue


Das positive Extrem:

1) Wenn Tesla neue Aktien ausgeben kann, dann kann man Tesla weiter halten. Es ist derzeit nicht gesichert, ob das geht. Tesla hat sich früher regelmäßig so kostenfrei mit neuem Kapital versorgt. Aber seit etwas weniger als zwei Jahren ist das ausgeblieben. Warum? Das weiß niemand so genau.

Wenn sie Aktien emittieren können gibt es kein kurzfristiges finanzielles Problem (auf den Rest gehe ich jetzt mal nicht ein, weil das jeder selber bewerten muss). Wenn dieser Fall eintritt, dann ist die Short-These der TSLAQ-Gruppe übrigens ziemlich erledigt. ;)

Ich wüsste nicht, warum Tesla bei ihrer derzeitigen Bewertung bis jetzt gewartet hätte wenn sie neue Aktien emittieren könnten. Daher denke ich, diese Variante wird nicht eintreten. Sonst hätten wir diese ganze Diskussion ja nicht.


Das negative Extrem:

2) Tesla hat nicht das Geld die Halter der in ca. zwei Monaten anstehenden Convertibles auszuzahlen. Da der Aktienkurs nicht hoch genug war steht es diesen frei Aktien oder Geld zu verlangen. Hat Tesla das Geld nicht sind sie insolvent. Tesla muss vor einem Gericht seine Bücher komplett offen legen, welches dann entscheidet ob es zu Chapter-11 (Gläubigerschutz und Reorganisation in Eigenregie) oder Chapter-7 (Zerschlagung) geht. Hat Tesla offensichtlich eine "Insolvenzverschleppung" begangen, tendieren US-Gerichte dann meist zu Chapter-7.

Chapter 7 wäre ganz großer Mist. Tesla wäre de-facto tot. Alle Aktieninhaber werden ausradiert. Ungesicherte Kreditgeber, u.A. alle, die noch irgendwelche Außenstände bei Tesla haben sind dann Schuldner niedrigster Rangfolge und üblicherweise auch weg (eins besser als Aktieninhaber. Hier runter zählen übrigens auch alle die noch kein Auto bekommen aber schon gezahlt haben, noch Leistungen aus dem Referal-Programm bekommen).

Der Betrieb des SuC-Netzes ist nicht mehr gesichert (Stromrechnungen...). Die Ersatzteilversorgung wäre auch erst einmal ungesichert. Und da Teslas nur in eigenen Werkstätten gewartet werden können wäre auch das nicht mehr so einfach. Der Wert der Fahrzeuge würde ins bodenlose stürzen.

Tesla würde zerschlagen. SuC-Netz usw. würden verkauft und natürlich wieder in Betrieb gehen. Aber die Käufer müssten keinerlei Garantien übernehmen. Bye-Bye "Supercharging for free forever". Garantien sind auch futsch. Ein neuer Tesla mit noch einigen Schäden wäre müsste auf eigene Kosten repariert werden. Wandlung ist nicht mehr, weil ja mit Tesla auch der Verkäufer mit weg ist (sonst hat man wenigstens immer noch einen Durchgriff auf den jeweils Anderen).

Man darf nicht vergessen: vom Anlagevermögen selber ist Tesla kaum etwas wert. Das IP ist wertlos. Die Fabrik wollte schon vor zehn Jahren niemand haben und wurde samt Maschinen praktisch an Tesla verschenkt. Zwei der drei Modelle sind alt und müssten aufgefrischt werden. Die Softwäre ist proprietär und nicht fertig. Und Tesla hat extrem viele Schulden.

An dieses Szenario glaube ich aber auch nicht. Dafür ist Tesla als Marke eigentlich zu wertvoll mit zu guten Chancen auf eine Erholung. Ein Problem sind ja eigentlich nur die Altlasten an Schulden, v.A. die von Solar City.


Der Mittelweg:

3) Tesla kann mit enormer Kraftanstrengung seine Schulden bedienen. Es bleibt aber bei den lächerlich geringen Investitionen in die Zukunft, wie wir sie bereits seit einem Jahr sehen. Tesla könnte seine neuen Modelle nicht mehr so richtig entwickeln und hat gleichzeitig riesige Verpflichtungen aufgrund der geleisteten Anzahlungen usw.

Ich mag diese Variante nicht und hoffe, sie tritt nicht ein. Tesla wäre eine Art Untoter der nur noch von seiner Substanz zehrt. Es wäre nur eine Frage der Zeit bis die Firma verschwindet bzw. übernommen wird. Davon hat niemand etwas.


Mein persönlicher Favorit:

4) Tesla weiß, dass sie die Convertibles nicht zahlen können und gehen von sich aus in Chapter-11. Dann sind die Aktieninhaber nicht unbedingt ausradiert. Im Optimalfall kommt es nicht einmal zu einer starken Verwässerung, nämlich dann, wenn Tesla es schafft profitabel zu wirtschaften. Dann kann man die alten Rechnungen über die Zeit bezahlen und neue einfach per COD (Cash-on-Delivery, in Chapter 7 üblich). Tesla ist erst einmal gerettet, und sie hätten obendrein das Solar City Problem gelöst.

Das Problem sind Investitionen in die Zukunft. Aber hier ist das US-Recht ziemlich schick, denn Tesla muss dann nicht all Profite zur Schuldentilgung nutzen, sondern kann wieder frei investieren.

Meiner Meinung nach wäre dies wie eine Verjüngungskur für Tesla. Die Altlasten weg und da weitermachen, wo sie gut sind: als Premium-Performance-BEV-Hersteller. Für Tesla wäre das super.

Für Elon Musk und Aktionäre? Unklar. Sollte Elon Musk einen Margin Call bekommen wäre das ein Problem für die Aktie. Das Risiko hierfür beginnt im Konsens rechnerisch unterhalb 240 USD. Wo es genau liegt ist unbekannt. Es kann merklich niedriger liegen. Das ist das große Risiko, welches ich bei dieser Lösung sehe.


Auch denkbar:

5) Tesla geht in Chapter 7 oder 11 und ein Autohersteller steigt ein und übernimmt Tesla gänzlich, wobei sie besondere Vorrechte erhalten (üblicherweise müssen einige Großaktionäre für sehr geringes Geld aussteigen). Tesla als Firma und Marke wäre gerettet, auch in ihrem derzeitigen Premium-Segment gesichert. Der Autohersteller könnte Tesla schnell mit der Technik und dem Wissen versorgen, welches es braucht um gegen die neuen Mitbewerber zu bestehen. Ein aufgefrischtes Model S/X hätte dann schnell so Dinge wie HUD, Nachtsicht, adaptive Dämpfer usw., da man es im Regal liegen hat.

Je nach Regelung der Übernahme könnten die Aktionäre sogar ohne Totalverlust überleben. Vielleicht würden auch einfach Aktien ausgetauscht (TSLA gegen Aktien des neuen Unternehmens). Sie müssten Verluste in Kauf nehmen, weil Tesla überbewertet ist und keine Firme eine andere übernimmt und dann die eigenen Aktionäre plötzlich die Minderheit stellen.

Den für die Aktionäre besten Deal könnte ironischer Weise eine Übernahme durch VAG bringen. Warum VAG? Sie müssen aufgrund ihrer Einigung mit der USA und Kalifornien große Mengen in die E-Mobilität investieren müssen (ihre Strafen). Zudem könnten sie die Glaubwürdigkeit "wir wollen Elektro" damit unterstreichen. Tesla ist aber auch Prestige und für Kalifornien und Nevada ganz klar ein relevanter Arbeitgeber. Wenn VAG nun aus den Strafen heraus die Kosten stemmen darf, dann wäre das ein Win-Win für die USA, Kalifornien, VAG und auch die Investoren sowie Aktionäre.

Alle anderen Hersteller wollen dagegen vermutlich nur die Filetstückchen: den Namen, das SuC-Netz, das Tooling für die Ersatzteile und (ggf.) die Zellverträge mit Panasonic. Dadurch würden viele Assets nicht realisiert - die Aktie wäre wertlos so wie bei der Pleite von "Old GM".
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Was denke ich passiert unabhängig von oben (wenn wir mal nicht von Chapter-7 ausgehen, was ein Desaster wäre):

- Tesla wird (zumindest in der USA) seine Verkaufs- und Werkstätten an Privatunternehmen auslagern um Geld zu sparen und die Markt-Reichweite zu erhöhen. Anstatt alles selbst zu machen wird man es eben machen wie alle anderen auch. Dadurch werden sie aber Marge an den Fahrzeugen verlieren.

- Tesla wird folglich die margenschwachen Fahrzeuge los werden bzw. nicht einführen. Den ersten Schritt sehen wir schon mit den gestrichenen 75ern. Das 35k USD Model 3 wird folglich auch nicht eingeführt. Die LEMUR wird entweder abgeschafft (es ist ja eine "Limited Edition MediUm Range" Angebot), oder zu dem neuen Grundfahrzeug. Ich persönlich schätze auf Zweiteres. Kurz: Tesla wird sich auf den Premium-Sportwagen-BEV-Markt konzentrieren und die Massenfahrzeug-Ambitionen aufgeben. Es wird dahin gehen, wo es mit den Margen sein wollte: der US-Porsche.

- Tesla wird Elon Musk entmachten. Seine Tendenz Personen für Widerworte zu entlassen, selbst wenn sie recht haben, ist nicht mehr tragbar. Tesla hat einen miserablen Ruf und bekommt schon lange nicht mehr "die Besten". Wer es nicht glaubt darf ja mal gerne bei Glassdoor nachsehen, was da so steht. Es gibt für mich einfach zu viele Berichte die das bestätigen. Und wer ihn schon einmal persönlich erlebt hat für den ist klar: Elon Musk ist komplett und absolut beratungsresistent, und das ständige Anhimmeln und Verteidigen durch seine Fans hat das nicht besser gemacht. Zudem erkennt er nicht, dass er in Themen nur Halbwissen hat. Er ist der typische "Du Experte hast es mir erklärt, jetzt weiß ich es besser als Du" Manager.
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Re: Quo vadis, Tesla?

Beitrag von scottph » Do 31. Jan 2019, 07:25

Sehe ich völlig anders...weiß auch nicht wie man zu den Schlüssen kommen kann. :roll:
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Stefan Ko
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Re: Quo vadis, Tesla?

Beitrag von Stefan Ko » Do 31. Jan 2019, 15:45

Seit gestern Abend sind die Shorts ja schon recht ruhig...
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